Kaspar Becker
Regierungsrat des Kantons Glarus

Über mich
Herkunft / Werdegang
Aufgewachsen bin ich als ältestes von drei Geschwistern in Ennenda und Ennetbühls. Meine Eltern, Kaspar und Emma Becker-Feldmann, führten die Milchzentrale in Ennenda. Nach einem Abstecher zur SBB übernahmen sie den Bauernbetrieb meines Grossvaters. Wir Kinder halfen im elterlichen Betrieb mit und übernahmen so bald nicht nur Aufgaben sondern auch Verantwortung. Unser Vater hat uns immer alles erklärt und gezeigt. Sei es beim Melken der Kühe, beim Arbeiten mit dem Traktor oder wir durften alleine mit dem «Milchaahänger» in die Milchzentrale und zogen dabei den ganzen Tageslohn hinter uns her. Von hier kommt meine Bodenhaftung. Vater schenkte uns grosses Vertrauen und lehrte uns dadurch, Vertrauen zu schenken.
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Der Primarschule in Ennenda folgte die Sekundarschule in Glarus. Der Umgang mit Zahlen fiel mir immer leicht und somit war der Schritt in eine kaufmännische Ausbildung eigentlich logisch. Beim Schweizerischen Bankverein in Glarus unter der Leitung von Hans Elmer genoss ich eine ausgezeichnete Grundausbildung.
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Zur Berufung
Als Glarner mit Liib und Seel bin ich äusserst motiviert, mich bei der Entwicklung unseres kleinen aber wunderschönen Kantons mit ganzer Energie, also mit Herz und Verstand einzubringen.
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Der Kanton Glarus steht vor grossen Herausforderungen. Diese kann er heute aus einer starken Position in Angriff nehmen, weil er in der Vergangenheit vieles richtig gemacht hat, nicht zuletzt aus finanzieller Sicht.
Aus meinen bisherigen Tätigkeiten bringe ich breites Wissen im Finanzbereich und Führungserfahrung mit. Zudem baute ich beruflich und privat ein starkes Netzwerk von guten Kontakten auf. So lernte ich Freuden und Sorgen der Glarnerinnen und Glarner kennen und bekam Einsicht in viele Themen.
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Meine Gattin Franziska, meine Tochter Eliane und mein Sohn Cédric unterstützen mich bei meiner Aufgabe als Regierungsrat vollumfänglich. Das gibt mir den nötigen Rückhalt, um mich für den Kanton Glarus einzusetzen.
VERNETZT, OFFEN, VERBINDLICH - MIT LIIB UND SEEL!
Landsgemeinde-
Rede 2025
«Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet»
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Hochgeachteter Herr Landesstatthalter
Hochgeachtete Damen und Herren
der administrativen und richterlichen Behörden
Hochvertraute, liebe Mitlandleute
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In keinem anderen Land auf der Welt können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Zukunft so weitgehend mitgestalten wie in der Schweiz und im Kanton Glarus. Seit Jahrhunderten entscheiden wir in unserer direkten Demokratie gemeinsam über die wichtigsten Fragen. Dieses gemeinsame, verantwortungsbewusste Gestalten bildet nicht nur die Grundlage für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz, in den Kantonen und in den Gemeinden. Es ist auch die Basis für die Erfolgsgeschichte unserer Eidgenossenschaft.
Nichts verkörpert den Geist dieser direkten Demokratie besser als die Glarner Landsgemeinde, die wir Jahr für Jahr am ersten Maisonntag unter freiem Himmel leben. Hier stehen wir Glarnerinnen und Glarner zusammen und gestalten gemeinsam unsere Zukunft – unsere eigene Zukunft und vor allem auch die Zukunft unserer Kinder.
Es ist mir eine grosse Freude und Ehre, dass ich Sie, meine Damen und Herren, zur diesjährigen Landsgemeinde begrüssen darf und wir heute alle gemeinsam konstruktiv, kompromissbereit und mit Weitsicht die Zukunft des Kantons Glarus selbst bestimmen können.
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Kommunizieren, einander aufmerksam wahrnehmen und zuhören, debattieren, sich annähern, zusammen abwägen und nach gründlicher Überlegung entscheiden – deswegen haben wir uns heute erneut versammelt. Um die direkte Demokratie zu leben, so wie es die Bevölkerung von Glarus schon seit Generationen tut.
Das Ergebnis des gemeinsamen Mitbestimmens ist offensichtlich: Wir leben in einem wunderschönen Kanton, der sich in einem der wohlhabendsten Länder der Welt befindet. Wir profitieren von einer ausserordentlich hohen Lebensqualität und dürfen in Frieden und Freiheit leben – für uns immer noch eine Selbstverständlichkeit, in vielen anderen Ländern ist dies leider nicht so.
Gesellschaftlicher und politischer Wandel
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Diese Selbstverständlichkeit steht aber auch bei uns nach und nach auf dem Spiel. Die Gesellschaft wandelt und entwickelt sich – weltweit, in der Schweiz, im Glarnerland. Dies war schon immer so und ist grundsätzlich kein Grund zur Besorgnis. Gewisse Auswirkungen dieses Wandels stimmen einen jedoch nachdenklich. Sprechen wir bei uns noch von zunehmender Polarisierung, trifft in gewissen Teilen der Welt eher das Wort Radikalisierung zu.
Und dafür verantwortlich sind längst nicht mehr nur gesellschaftliche und politische Randgruppen, sondern zunehmend Parteien und sogar Regierungen.
Wenn die Mächtigsten der Welt nach dem Motto «wie Du mir, so ich Dir» agieren und ohne Rücksicht auf Verluste aller Art ihren Narzissmus ausleben und eine egoistische Agenda verfolgen, stimmt das nachdenklich und führt zu weltweiter Verunsicherung. Auch sie gestalten die Zukunft – Ausgang aber mehr als ungewiss. Seien wir uns deshalb heute mehr denn je bewusst, wie weitreichend und tief verankert unsere Mitsprachemöglichkeiten, unser Gestaltungsfreiraum unsere Rechte sind. Nicht nur heute an der Landsgemeinde, sondern tagtäglich.
Tragen wir diesen Privilegien Sorge und verschliessen uns gleichzeitig nicht der auf jeden Fall notwendigen gesellschaftlichen Entwicklung.
Es ist aber wichtig, dass wir uns unserer Stärken, unserer Möglichkeiten und unserer ausgezeichneten und privilegierten Ausgangslage bewusst sind, damit wir diese Entwicklung hegen und pflegen. Es wäre naiv, ja falsch, zu glauben, dass es in der Schweiz nicht auch ähnliche Tendenzen gibt, wie wir sie im Ausland erleben. Sei es in der Politik, der Wirtschaft oder im Umgang mit den Mitmenschen.
Der amerikanische Informatiker Alan Kay hat gesagt: «Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.»
Tragen wir deshalb gemeinsam und jede und jeder im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu bei, dass es uns gelingt, die Zukunft vorauszusagen, eben weil wir sie gemeinsam gestalten.
Hochvertraute, liebe Mitlandleute
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Unsere Landsgemeinde, verbunden mit unseren Werten, unserer Freiheit und unserer jahrhundertealten politischen Kultur, zeigt uns auf, mit welchen Instrumenten wir diesen Wandel einmal mehr erfolgreich angehen können. Setzen wir dieses Wissen ein – heute in den nun folgenden Debatten, aber auch tagtäglich im Umgang miteinander.
Nicht das Motto «wie Du mir, so ich Dir», sondern Zusammenstehen und uns gemeinsam entwickeln und somit die Zukunft gestalten ist unsere Kultur.
Herausforderungen, welche wir angehen und bewältigen müssen, gibt es genügend – die immer höheren Lebenshaltungskosten und einhergehend eine wirtschaftliche Abkühlung, der Klimawandel, Naturgefahren, die Demografie oder die rasante technologische Entwicklung, – Stichwort Künstliche Intelligenz –sind einige davon.
Dieser Wandel bietet aber auch Chancen. Nutzen wir die Chancen und machen das Beste daraus. Polarisierung oder eine Bewirtschaftung der Probleme werden uns dabei nicht helfen.
Wir nutzen die Chancen miteinander, wenn wir auch andere Meinungen anhören und akzeptieren. Und dann gilt es, gründlich zu überlegen, abzuwägen und zu entscheiden. Was unsere Vorfahren so erfolgreich geschafft haben, das schaffen auch wir, um uns, unseren Kindern und unseren Enkeln eine ausgezeichnete Zukunft in unserem wunderschönen Glarnerland zu ermöglichen.
Heute an der Landsgemeinde setzen wir das um. Wir leben den Dialog und nehmen unsere Verantwortung wahr! Wir schauen voller Zuversicht nach vorne und lenken die Aufmerksamkeit auf Aufgaben, die wir gemeinsam angehen und erfüllen wollen. Darauf freue ich mich.
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Würdigung Andrea Bettiga
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Ein grosses Dankeschön für seine Arbeit im Dienst von Land und Volk schenken wir heute Landesstatthalter Dr. Andrea Bettiga, der mit der heutigen Landsgemeinde aufgrund der Altersbeschränkung aus dem Regierungsrat ausscheiden wird.
Dr. Andrea Bettiga war 17 Jahre Mitglied des Glarner Regierungsrates und stand während dieser Zeit dem Departement Sicherheit und Justiz vor. Zweimal war er Landammann und leitete vier Landsgemeinden. Sogar dreimal war und ist er Landesstatthalter.
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Neben zahlreichen wichtigen Geschäften und Gesetzesvorlagen vertrat Andrea Bettiga den Kanton Glarus in zahlreichen Konferenzen und Verwaltungsräten, insbesondere der Kraftwerke Linth-Limmern, der Glarner Sachversicherung und der Braunwald-Standseilbahn.
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«Im Zentrum meines Wirkens steht stets der Mensch», hat Andrea Bettiga kürzlich in einem Interview gesagt. Genau so haben wir Dich, Andrea, in all den Jahren kennen- und schätzen gelernt.
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Im Namen von Land und Volk, hochgeachteter Herr Landesstatthalter, und auch ganz persönlich, lieber Andrea, danke ich Dir für Deine grosse Arbeit und wünsche Dir und Deiner Familie für die Zukunft nur das Allerbeste. Andrea – Du wirsch üs im Regierigsrat fählä, heb Dir sorg!
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Hochvertraute, liebe Mitlandleute, lassen Sie uns jetzt raten, mindern und mehren. In Freiheit und Verantwortung. Es wird uns auch heute gelingen, die traktandierten Wahl- und Sachgeschäfte zum Nutzen und Gedeihen unseres Kantons zu meistern.
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In wenigen Augenblicken werden wir ausserdem den neu gewählten Regierungsrat Christian Marti vereidigen, der das Gremium nach dem Ausscheiden von Landesstatthalter Dr. Andrea Bettiga komplettieren wird.
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Mir ist es ein Anliegen, dass wir auch heute die so wichtige Kultur der konstruktiven Debatte wie seit Generationen gemeinsam fortführen, so wie es sich für die Glarner Landsgemeinde gehört.
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In diesem Sinn bitte ich für Land und Volk von Glarus um den Machtschutz Gottes und erkläre die Landsgemeinde 2025 als eröffnet.







